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Die Scheiben-Doktor Story

Von der Hinterhofgarage zum bundesweiten Autoglasprofi

Wer Wolfsburg hört, der denkt an Volkswagen – dass in der Autostadt auch ein mittelständisches Unternehmen, das via Franchising erfolgreich wurde, seine Wurzeln hat, erzählt die folgende Geschichte. 

Zugegeben, auch hier spielt das Automobil die entscheidende Rolle, doch steht nicht nur die preisgünstige und fachkundige Reparatur im Vordergrund, sondern auch die Dienstleistung am Kunden im Hinblick auf Sicherheit, Fahrkomfort und gelungene Optik. Das von Dirk Wiechel 1988 gegründete Autoglas-Unternehmen ist bundesweit mittlerweile an über 50 Standorten vertreten. 

First Steps – der Schritt in die Selbstständigkeit

Der gelernte Elektroinstallateur Dirk Wiechel ist bei Volkswagen in der Forschungsabteilung tätig, hat einen sogenannten „ruhigen“ und sicheren Job, allerdings aufgrund seiner Ausbildung auch keine Aufstiegsmöglichkeiten in eine verantwortungsvollere Position. „Etwas bewegen, Verantwortung übernehmen, für ein Ergebnis einstehen“, das treibt den künftigen „Scheiben-Doktor-Chef“ an und Wiechel versucht dies nach Feierabend umzusetzen.

Er renoviert sein altes Fachwerkhaus, kauft alte Autos, bringt diese durch den TÜV, verkauft sie wieder und macht nebenbei noch eine Technikerausbildung. Doch kommt er bei all dem nicht richtig voran, alles nebenberuflich, nichts ist mit ganzer Kraft möglich – so kann es nicht weitergehen. Sein Entschluss reift und für den damals 28-jährigen Dirk Wiechel steht fest: Er will Unternehmer werden. 

First Store – der Name wird gefunden

In einer Fachzeitschrift liest er etwas über ein aus Amerika kommendes Verfahren zur Reparatur von Windschutzscheiben. Er kauft ein solches Reparatur-Set gebraucht und mit DM 1.600 startet er fortan nach Feierabend den Test, ob dieses Geschäft auch für eine Vollexistenz tauglich sei. Es funktioniert und nach erfolgreichen zwei Monaten kündigt er seinen Job bei VW. 

Mit dem Reparaturkoffer unter dem Arm reist Wiechel von Autohaus zu Autohaus und bietet seine Dienstleistung an. Es läuft gut, allerdings ärgert es den Jungunternehmer, wenn das Autoglas sich aus technischen Gründen mit dem neuen Verfahren nicht reparieren lässt. Die Lösung: Es müssen auch neue Scheiben in das Angebot des Unternehmens aufgenommen werden. Wiechel sucht sich einen Lieferanten, testet am Auto eines Freundes, ob er die nach relativ neuen Verfahren kraftschlüssig eingeklebten Scheiben auch wechseln kann – mit Erfolg. Die Angebotspalette des jungen Unternehmens ist ausgebaut: Autoglas kann ab jetzt nicht nur repariert, sondern auch ausgetauscht werden. 

Doch eine ausreichende Zahl an Kunden fehlt noch – eine Frage des Standortes ebenso wie die der Werbung. Wiechel bittet einen Bekannten, der Fotograf bei der örtlichen Tageszeitung ist, über seine Firma, für die es noch keinen Namen gibt, etwas zu veröffentlichen. „Scheiben-Doktor für Wolfsburg“, so steht es in der nächsten Ausgabe des Blattes unter dem Foto von Wiechel vor dem Scheunentor seines Hofes. 

Ein anderer Bekannter vermietet ihm einige Garagen in der Stadt, die Wiechel in Eigenleistung zu einer Hinterhofglaserei umbaut. Nachts verlegt er die Fliesen, am nächsten Tag repariert er die Autoscheiben. Die Eingangstür und die Schaufenster kauft er gebraucht, die Rechnungen werden noch per Hand geschrieben.

First Franchising

Über Unternehmertum weiß Wiechel noch viel zu wenig. Ein Unternehmensberater bietet vor Ort monatliche Seminare für Existenzgründer an, die er regelmäßig besucht; mal ist es Marketing, mal Rechnungswesen oder Personalführung. Eines Tages spricht ihn der Berater an: „Was du machst finde ich klasse, das sollten wir franchisieren, Dein Unternehmenskonzept gegen Geld multiplizieren. Hier ist der Vertrag und neben dir steht der erste Franchisenehmer“. Wiechel hat „so ein Gefühl, dass da etwas dran sein könnte“ und so startet das Scheiben-Doktor Franchising. Gleich zwei Betriebe werden 1991 eröffnet. 

Von diesem Zeitpunkt an widmet der frischgebackene Franchisegeber mehr Zeit seinen beiden Partnern als dem eigenen Geschäft in Wolfsburg. „Eine sehr geschäftige, stressige – aber ungeheuer interessante Zeit“, beschreibt er diese Phase. Das Konzept beginnt zu laufen und wird Stück für Stück weiter entwickelt. Nach der Wende herrscht eine Aufbruchstimmung und die dadurch ausgelöste Mund zu Mund Propaganda bringt jedes Jahr weitere Betriebe hinzu. Von einer Bündelung des Autoglas-Know-Hows durch Handbücher ist das Unternehmen zu dieser Zeit noch weit entfernt. Kurze Wege lautet die Devise – heute beschlossen und morgen umgesetzt. 

Die Erfolgsgeschichte setzt sich fort

Konsequent verfolgen Wiechel und sein kleines Team das Ziel, sich vom restlichen Autoglasmarkt abzusetzen. Das Thema Marketing und Corporate Identity nimmt immer mehr Gestalt an. Die Eröffnungen neuer Outlets werden mit knallgelben Anzeigen und einem bunten Rahmenprogramm in den Zeitungen angekündigt. Die neuen Scheiben-Doktoren kaufen sich gelbe Transporter, die dann mit dem Firmenlogo groß beschriftet werden und überallhin den Namen transportieren. Neue Ideen und Werbemaßnahmen werden entwickelt und man setzt  das „Erlebnismarketing in gelb“ erfolgreich im Markt um. 

Das Thema Filialisierung gehört zu einem weiteren Erfolgsfaktor von Scheiben-Doktor. 1994 bietet sich die Erst-Filialisierung in Magdeburg an. Es folgen Filialen in Hannover, Göttingen und Gifhorn. Auch der Mitarbeiterstamm in der Buchhaltung, im Franchising und der eigenen Verkaufs-und Werkstatteinheit in Wolfsburg wächst kontinuierlich, so dass die angemieteten Räumlichkeiten schnell an die Grenzen ihrer Kapazität kommen.

Wiechel erwirbt ein Grundstück in bester Lage und erbaut dort die „gläserne“ Scheiben-Doktor Systemzentrale. Diese wird 1995 mit allen Partnern, Kunden, Lieferanten und Freunden des Autoglas-Unternehmens feierlich eingeweiht. Auch heute noch befindet sich dort der Anlaufpunkt für Wolfsburger Kunden, die ihre Kfz-Scheibe beim Scheiben-Doktor reparieren, austauschen oder veredeln lassen möchten. 

Bis 1998 eröffnen zehn neue Scheiben-Doktor Autoglasereien. Der nächste Schritt liegt auf der Hand - das Wachstum des Systems muss forciert werden. Über Zeitungsanzeigen wird die Suche nach motivierten Interessenten eingeleitet. Später sollen Messeauftritte – zunächst bei reinen Existenzgründermessen, dann auch gezielt bei Kfz-Fachmessen folgen. Auch der klassische Weg über die verschiedensten Internetportale und Fachpublikationen der Franchisewirtschaft für Existenzgründer wird vom Unternehmen genutzt. Auch nahezu alle Drucksachen, sei es Rechnungs- und Geschäftspapier, Anzeigen, Flyer, Marketingartikel oder Fahrzeuge – enthalten fortan den Zusatz: Selbstständig mit Scheiben-Doktor!!! Und das mit Erfolg. 

Rückschläge

Zu Beginn des neuen Jahrtausends ändert sich das Franchiserecht in Deutschland. Die Rechte und Pflichten von Franchisenehmer und Franchisegeber, der einheitliche Auftritt und vieles mehr muss nun konkreter geregelt werden. 2000 wird ein neuer Vertrag im System präsentiert und Stück für Stück eingeführt. Dies hat auch negative Folgen – lange Diskussionen bis zur Umstellung und letztendlich die Trennung von Partnern, die den neuen Weg nicht konsequent und einheitlich mitgehen möchten. Auch das Wachstum läuft Anfang 2000 erst „schleppend“ an – was zum Teil auch an einer internen Strukturierungsphase liegen mag. Das Know-How, welches bisher weiterhin in monatlichen Meetings und massenweise Papier in Form von Briefen und Faxen transportiert wird, wird nun in entsprechenden Handbüchern verarbeitet. 

Expansion und Internationalisierung

Auf einem weiteren Punkt liegt Wiechels Hauptaugenmerk – Vorteile für seine Franchisepartner im Einkauf schaffen. Er weiß genau, dass, nur wenn sie erfolgreich sind und ihren Scheiben-Doktor-Betrieb mit Stolz und Freude in den Markt transportieren, alle Seiten davon partizipieren.

2001 erfolgt die Gründung einer Tochterfirma – dem Busscheiben-Großhandel Bus-Glas Express: Dieses Unternehmen ist international in 20 Ländern erfolgreich tätig. Aber auch für den Pkw- und Lkw-Bereich ist es durch den Aufbau eines entsprechenden Großhandelslagers gelungen, die Scheiben-Doktoren kostengünstig zu beliefern, so dass diese deutlich bessere Margen verzeichnen und auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren Erfolg stabilisieren. 

Seit 2003 wächst das System kontinuierlich und gesund und hebt sich durch eine konsequente Dienstleistung sowie ein professionelles Marketing von dem weit verbreiteten „Hinterhof-Image“ anderer Autoglas-Anbieter ab. Der Erfolg des Systems basiert dabei auf dem richtigen Zusammenspiel zwischen Unternehmer, Standort und Konzept. Im Ranking der Top 100 Franchisesysteme des Wirtschaftsmagazins "impulse" zählt Scheiben-Doktor im Jahr 2007 zu den 30 besten Unternehmen.  

Die nächsten 20 Jahre sind eingeläutet

Für eine aussichtsreiche Zukunft gewinnt die Zusammenarbeit mit Leasing- und Versicherungsgesellschaften zunehmend an Bedeutung. Das machen vor allem zwei Aspekte deutlich. 

Erstens sind bereits heute rund die Hälfte aller Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr geleast. Zweitens setzen immer mehr Versicherungen zur Kostenreduzierung auf die Schadensregulierung und -lenkung. Die Versicherungsgesellschaften geben den Fuhrparkbesitzern und Endkunden verbindliche Vorgaben für die in Frage kommenden Autoglasereien. Scheiben-Doktor hat sich Stück für Stück auf diese Struktur eingestellt – eine wiederum angepasste zentrale Vertrags- und Organisationsstruktur gab den Startschuss für eine erfolgreiche Zukunft der gelben Autoglas-Profis.

Im März 2013 kauft die Carlofon GmbH die Marke und das Franchise-System Scheiben-Doktor. Es folgt ein konsequenter Aus- und Aufbau der Marke und des Systems Scheiben-Doktor.

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